Paint.net: Ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm für Windows

Kürzlich war ich in der Situation, in der ich in kürzester Zeit über vierzig Bilder zuschneiden, optimieren und verkleinern musste. Die oft empfohlene, kostenlose und quelloffene Bildbearbeitungssoftware Gimp ist natürlich weiterhin meine persönliche Referenz, zumal sie für jedes gängige Betriebssystem erhältlich ist. Allerdings wird man von der Funktionsvielfalt förmlich erschlagen, was sich bereits durch den langsamen Start der Software bemerkbar macht.

Daher habe ich die kostengünstige, nicht allzu komplexe Bildbearbeitungssoftware Paint.net unter Windows anhand eines Arbeitsvorgangs („Workflow“) getestet.

Erhältlich ist das kleine, aber feine Werkzeug

Der Arbeitsvorgang war wie folgt:

  1. Bild laden
  2. Zuschneiden
  3. Weißabgleich und/oder Helligkeit ändern
  4. Bild auf horizontal 1280 Pixel verkleinern
  5. Text hinzufügen
  6. Speicherung unter Verwendung der verlustbehaften Kompression JPEG
Abb. 1: Der generelle Aufbau der Benutzerschnittstelle nach dem Laden eines Bilds

Nachdem das Bild über das Datei-Menü oder mittels Drag-and-Drop aus dem Datei-Explorer geladen ist, zeigt sich Paint.net dem Benutzer wie in Abbildung 1.

Im Folgenden werden die Bereiche kurz erklärt.

(1) Im Verlauf werden alle Änderungen, wie z.B. Größenänderungen, Änderungen durch Effekte, usw. protokolliert. Mit einem einzigen Klick auf einen Eintrag werden alle später ausgeführten Vorgänge deaktiviert und auf den Stand zum gewählten Eintrag zurückgerollt.

(2) Mit den Ebenen lassen sich verschiedene zusätzliche Bildausschnitte (z.B. Vergrößerungen) oder Texte unabhängig vom Hintergrund, dem eigentlichen Bild, bewegen oder bearbeiten.

(3) Farbwahl für Pinsel- und Textfarbe

(4) Werkzeug-Palette mit den üblichen Malwerkzeugen, wie z.B. Pinsel, Stifte, Rechtecke zeichnen, Text erstellen.

Wie man an der Statusleiste unschwer erkennen kann, ist das Bild 4640 x 3480 Pixel groß. Das ist für eine Dokumentation viel zu groß, was sich auch in der Dateigröße niederschlägt.

Bevor ich die Bildgröße ändere, schneide ich immer zunächst zu:

Abb. 2: Mit der „Rechteckigen Auswahl“ oder der Taste S wählt man den Bereich, auf den zugeschnitten werden soll

Mit der Taste S oder dem Werkzeug „Rechteckige Auswahl“ (Abbildung 2, Markierung 1) wird die Bereichsauswahl aktiviert. Im Bild wähle ich dann mit der linken Maustaste den Bereich, auf den zugeschnitten werden soll.

Nachträgliche Korrekturen dieses Bereichs sind mit der Funktion „Auswahl verschieben“ (Abbildung 2, Markierung 2) möglich. An den Rändern der Markierung ändert sich dabei der Mauszeiger zu einer kleinen Hand („Anfassen-Symbol“). Hält man die linke Maustaste gedrückt kann die Größe des markierten Bereichs verändert werden. Inmitten der Markierung ändert sich der Mauszeiger zu einem Verschiebesymbol (Pfeile in allen Richtungen). Über das Halten der linken Maustaste kann der Bereich verschoben werden.

Mittels Menüpunkt „Bild > Auf Markierung zuschneiden“ wird anschließend auf den markierten Bereich zugeschnitten (Abbildung 3 und 4):

Abb. 3: Auf Markierung zuschneiden
Abb. 4: Das zugeschnittene Bild

Der nächste Schritt ist nun, einen Weißabgleich durchzuführen und das Bild dezent aufzuhellen. Leider gibt es keine eigene Weißabgleichs-Funktion wie sie beispielsweise bei Corel Paint Shop Pro vorhanden ist. Allerdings gibt es eine automatische Korrektur und eine Funktion zur Helligkeits- und Kontrast-Steuerung (Abbildung 5):

Abb. 5: Korrekturfunktionen

Nach einem Klick auf „Automatisch“ im Menüpunkt „Korrekturen“ habe ich schon viel erreicht. Allerdings hat die automatische Korrektur das Bild deart aufgehellt, dass der Kontrast ein wenig gelitten hat.

Mittels „Helligkeit / Kontrast…“ (Abbildung 5) kann ich den Kontrast jedoch korrigieren. Von Vorteil ist dabei die Live-Vorschau (Abbildung 6):

Abb. 6: Durch die Auto-Korrektur und Kontraständerung ist der Gelbstich verschwunden

Der Gelbstich ist nach Ausführung der Korrekturen verschwunden. Das Bild ist nach meinem subjektiven Eindruck nun deutlich besser.

Welche Korrekturen durchzuführen sind, hängt vom Gerät, mit dem die Fotos erstellt worden sind, der Farbtreue des Monitors, sowie dem subjektiven Empfinden ab.

Nun ändere ich die Bildgröße und achte darauf, dass das Seitenverhältnis des Bildes nicht verändert wird (Abbildung 7 und 8):

Abb. 7: Funkion „Größe ändern…“
Abb. 8: Seitenverhältnis beibehalten und Breite in Pixel wählen

Wie in Abbildung 8 zu sehen, stelle ich sicher, dass das Seitenverhältnis beibehalten wird (1). Danach wähle ich die Bildbreite in Pixel. Ich habe mit 1280 Pixel gute Erfahrungen gemacht. Es ist ausreichend für HD-Bildschirme, die eine Auflösung von 1900 x 1080 haben. Mit 4K sind allerdings die Pixel aus 50 cm zu erkennen. Dennoch: 1280 Pixel ist ein guter Kompromiss zwischen Qualität und Dateigröße.

Nach Bestätigung der Größenänderung wird das Bild auf der Arbeitsfläche verkleinert, weil die Vergrößerungs- bzw. Zoom-Stufe sich nicht geändert hat (Abbildung 9):

Abb. 9: Änderung der Zoom-Stufe über (1)

Mittels Lupenfunkton (Abbildung 9, Markierung 1) lässt sich das Bild jedoch wieder zur Weiterbearbeitung vergrößern. Dazu klicke ich entweder auf die Lupen, die links ein „-“ und rechts ein „+“ enthalten oder nutze den Schieberegler.

Erst jetzt füge ich einen sprechenden Titel im Bild ein. Hätte ich den Text vor der Änderung der Bildgröße eingefügt, wäre der Text mit jedem Bild unterschiedlich groß, da er mit dem Bild skaliert wird. Es empfiehlt sich, den Text auf eine eigene Ebene unterzubringen, um diesen später in die gewünschte Position zu bringen.

Eine neue Ebene wird entweder per Menü „Ebene > Neue Ebene hinzufügen“ (Abbildung 10, Markierung 1) oder mit dem entsprechenden Symbol in dem Minifenster „Ebenen“ (Abbildung 10, Markierung 2) hinzugefügt.

Abb. 10: Neue Ebene hinzufügen

Sobald die Ebene erzeugt ist, erscheint im Minifenster „Ebenen“ (Abbildung 11, rechts unten) ein neuer Eintrag „Ebene 2“, der bereits vorausgewählt wird (hellblau markiert).

Abb. 11: Hinzufügen des Textes

Nun betätige ich die Text-Schaltfläche (Abbildung 11, Markierung 1). Mit (2) aktiviere ich die Vordergrundfarbe und damit die Farbe des Textes. Mit (3) wähle ich schließlich die Farbe, hier gelb, aus. Die Textgröße ändere ich auf 72 (4) und wähle die Fettschrift. Anschließend klicke ich in das Bild und gebe den Text ein. Das Ergebnis ist in Abbildung 12 zu sehen.

Abb. 12: Nach der Texteingabe; Funktion zum Verschieben des Textes (1)

Mit „Ausgewählte Pixel verschieben“ oder der Taste M (Abbildung 12, Markierung 1) kann ich den Text oder vielmehr die Ebene verschieben, sofern die Ebene 2 immer noch ausgewählt ist. Der Mauszeiger ändert sich zu einem Verschiebesymbol. Durch Halten der linken Maustaste verschiebe ich den Text an die gewünschte Position (Abbildung 13).

Abb. 13: Nach Verschieben der Ebene bzw. des Textes

Sollte sich der Text nicht deutlich genug vom Bild abheben, kann ein ausgefülltes Rechteck in einer neuen Ebene erstellt werden.

Abb. 14: Neue Ebene, Farbauswahl und ausgefülltes Rechteck erzeugen

Hierzu erzeuge ich die „Ebene 3“ (Abbildung 14, Markierung 1). Die neue Ebene (2) kann ich nun unabhängig vom restlichen Bild und von den Ebenen bearbeiten. Ich ändere auf eine schwarze Vordergrundfarbe (3). Hierzu klicke ich auf das schwarze kleine Kästchen darunter, quasi die verkleinerte Form der Farbauswahl.

Nun wähle ich die Formfunktion (4) und wähle ein gefülltes Rechteck (5). Im Bild ziehe ich dann das schwarze Rechteck. Die Höhe des Rechtecks entspricht dabei die des Textes. Das Rechteck überdeckt zunächst Teile des Bildes. Das Ergebnis ist in Abbildung 15 zu sehen:

Abb. 15: Hinzugefügtes voll ausgefülltes Rechteck
Abb. 16: Ebene neu anordnen und Transparenz hinzufügen

Bevor ich das Rechteck mittels „Ausgewählte Pixel verschieben“ bei ausgewählter „Ebene 3“ verschiebe (Abbildung 12, Markierung 1), ordne ich die Ebene 3 neu an, nämlich unter die Ebene 2. Das geht per Drag-and-Drop oder mittels Button (1), wie in Abbildung 16 zu sehen.

Nun verschiebe ich das immer noch tiefschwarze Rechteck an die Position des Textes. Weil die Ebene 2 und damit der Text über der Ebene 3 angeordnet ist, wird das Rechteck unter dem Text geschoben.

Mittels Ebenen-Eigenschaften (Abbildung 16, Markierung 2) lässt sich die Ebene transparent gestalten. Hierzu stelle ich den Schieberegler (3) auf etwa 70% ein.

Zu guter Letzt muss das Bild gespeichert werden. Wie zu erwarten ist, geht das über das Datei-Menü mittels „Speichern unter…“ (Abbildung 17):

Abb. 17: Speichern des Bildes

Für Bilder empfiehlt sich das Dateiformat JPEG, für Zeichnungen oder einfache Bildschirmfotos das PNG-Format (Abbildung 18):

Abb. 18: Speichern als JPEG

Nach Wahl der Dateiendung und Eingabe des Dateinamens muss ich noch die Qualität bzw. Kompression des Bildes wählen (Abbildung 19). In den allermeisten Fällen reicht eine Qualität von 85% (1). Die Dateigröße wird dabei ebenso angezeigt (2).

Abb. 19: Einstellung der Qualiät

Weil JPEG-Dateien keine Ebenen unterstützen, müssen die Ebenen auf eine einzige Ebene zusammengefasst werden. Daher bestätige ich die nachfolgende Meldung über die Zusammenfassung (Abbildung 20):

Abb. 20: Ebenen zusammenfassen und Speicherung abschließen

Auch wenn die Anmerkung unter „Zusammenfassen“ etwas anderes suggeriert, ist es mit dem Minifenster „Verlauf“ (Abbildung 1, Markierung 1) dennoch möglich, Änderungen zurück- und neue vorzunehmen.

Mit etwas Übung und Merken von Tastenkombinationen, die erfreulicherweise bei nahezu jeder Funktion mit angezeigt werden, dürfte sich die Routine schnell einstellen.

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